Pressestimmen | LUX – Krieger des Lichts

Im Folgenden habe ich Auszüge aus aktuellen Pressestimmen zum Film gesammelt:

Spiegel Online Kritik von Kaspar Heinrich:

Mediensatire „Lux – Krieger des Lichts“: Superheldenjedöns  vom 03. Januar 2018, 13:44 Uhr:

Das deutsche Kino hat seinen ersten Superhelden: Die Satire über Filmemacher „Lux – Krieger des Lichts“ macht Spaß, weil sie unsere Suche nach Authentizität verlacht, dabei aber den grellen Witz meidet.

Schwarzer Umhang, schwarze Maske, dazu treibende Beats auf der Tonspur: Die ersten Minuten von „Lux – Krieger des Lichts“ zeigen einen Superhelden in seinem Kostüm, beim täglichen Training, im Kampf gegen die Übel der Welt. Was ihn von den Kollegen aus Hollywood-Blockbustern unterscheidet? Lux (Franz Rogowski) besitzt keinerlei übersinnliche Kräfte, kämpft nicht gegen Psychopathen, sondern für soziale Gerechtigkeit. Auf den Straßen Berlins verteilt er Essenspakete an Obdachlose.

„Real Life Superheroes“ nennen sich solche Alltagshelden, erklärt im nächsten Moment Regisseur Jan (Tilman Strauß) einem Produzenten für neue Medienformate (herrlich jovial: Heiko Pinkowski). Jan und seine Mitstreiterin Lina (Anne Haug) sind auf Lux gestoßen, der eigentlich Torsten Kachel heißt, und buhlen nun mit einem Imagefilmchen über ihn um Förderung für eine Webserie. Mit Erfolg: Der Produzent wittert Potenzial, wenn man nur den Freakfaktor ordentlich ausspiele. „Es muss knallen, aber richtig“, gibt er den jungen Filmemachern mit auf den Weg.

Das Phänomen der Real Life Superheroes existiert tatsächlich, weltweit helfen verkleidete Bürger alten und bedürftigen Menschen, engagieren sich für saubere Parks oder gegen Kriminalität. Zu einiger Berühmtheit gelangte der US-Amerikaner Ben Fodor alias Phoenix Jones, ein Martial-Arts-Kämpfer, der seit 2011 auf den Straßen Seattles patrouillierte, in so manche Schlägerei geriet und schließlich selbst für kurze Zeit im Gefängnis landete.

Lux hingegen erweist sich als kreuzbraver Kerl, als harmlos und herzensgut. Den Jugendlichen am Kottbusser Tor rät er mit kumpeligen Sprüchen zum Drogenverzicht. Sein verwegener Look täuscht, der „Krieger des Lichts“ ähnelt mehr Don Quijote als Batman. Taugt so einer zum YouTube-Star?

„Samariternummer“

Debütregisseur Daniel Wild strickt aus dem Stoff eine treffsichere Mediensatire in Form einer Mockumentary. Ein Filmteam begleitet Lux auf Schritt und Tritt, beim Containern, auf eine Demo gegen Mieterhöhungen und immer wieder zu seiner kratzbürstigen Mutter (Eva Weißenborn) in deren biedere Plattenbauwohnung. „Wir ha’m doch alle Macken“, ostberlinert die ketterauchend in die Kamera, „bei ihm isset eben dit Superheldenjedöns.“

Doch Lux‘ „Samariternummer“ reicht dem Produzenten bald nicht mehr aus, für die bessere Quote lockt er Torsten mit einem Hochglanzoutfit anstelle des selbstgeschneiderten Heldenkostüms. Von den Filmemachern verlangt er Crime Fighting statt Essensspenden, „einen Hauch mehr Action und eine Prise Sex“. Da trifft es sich gut, dass soeben die liebenswerte Striptänzerin Kitty (Kristin Suckow) in Torstens Leben getreten ist.

Wie ein medialer Hype gemacht wird

Wilds Satire macht einen Heidenspaß, weil sie sich nie in den allzu grellen Witz verirrt – wie das etwa Dietrich Brüggemanns „Heil“ tat – und der Regisseur eine gute Beobachtungsgabe offenbart, was die Mechanismen einer sensationsheischenden Unterhaltungsindustrie angeht. Torsten Kachel, dieser Ritter von der traurigen Gestalt, lässt sich einspannen, wird von allen um ihn herum ausgenutzt und verrät dabei zunehmend seine Ideale. Franz Rogowski („Love Steaks“, „Victoria“), European Shootingstar der kommenden Berlinale, verleiht seinem Antihelden die nötige Mischung aus heiligem Ernst und leiser Melancholie.

Besonderen Witz bergen die Botschaften, die das Drehbuch Lux in den Mund legt. „Ganz egal, wer du bist oder was du für andere darstellst: Jeder von uns trägt seinen Helden in sich“, salbadert der von einem Hausdach aus bedeutungsschwer in die Kamera, den Blick in die Ferne gerichtet. „Wir müssen ihm Vertrauen schenken, dann zeigt er sich.“

Wohlfeile Worthülsen, irgendwo zwischen Achtsamkeitskitsch und Selbstermächtigungsmantra, die sich in ihrer inhaltlichen Leere selbst entlarven: Sie sind Wilds große Stärke. „Authentizität“ heißt hier das Heilsversprechen, doch selbstverständlich nur im Dienste einer besseren Vermarktbarkeit. Torstens argloser Kampf gegen die neuzeitlichen Windmühlen aus Kommerz und Zynismus wirkt rührend, weil aussichtslos, immer wieder verpufft sein ehrlich gemeinter Altruismus.

Regisseur Wilds tragikomisches Talent zeigt sich vor allem in den kleinen Ideen, den Details und Randgestalten seines Erstlingsfilms. Etwa im selbstironischen Gastauftritt des YouTube-Sternchens Joyce, oder in Figuren wie dem vermeintlich zwielichtigen Nachtklubbesitzer, der sich als vorbildlicher Steuerzahler mit übertariflichen Gehältern entpuppt.

Für sein Drehbuch wurde Wild auf dem Hochschulfestival Sehsüchte ausgezeichnet, bei den Hofer Filmtagen gewann der 38-Jährige den Preis als bester Nachwuchsregisseur. Ihm gelingt das im deutschen Kino noch zu seltene Kunststück, eine im Kern moralische Geschichte mit Humor zu erzählen. Äußerst unterhaltsam und realitätsnäher, als man sich wünschen kann, lehrt „Lux“, wie mediale Hypes entstehen und wie sie gelenkt werden.

Das Filmmagazin kinokino hat bei einem Spezial zu den 51. Internationalen Hofer Filmtagen auch LUX – Krieger des Lichts vorgestellt. LUX ist in der Sendung gleich der erste Beitrag:

Hier der Ausschnitt:

Die kopmplette kinokino Sendung zu den 51. Hofer Filtmagen findet sich hier: https://www.br.de/mediathek/video/kinokino-extra-51-internationale-hofer-filmtage-av:59f611477bd8c40018ea0b57?t=9s

 

kino-zeit.de vom 9.11.2017:

Real Life Super Heroes – ein Trend in den USA. Jetzt auch in Deutschland: Torsten will helfen, denn jeder, der hilft, ist ein Held. Torsten hat ein selbstgebasteltes Kostüm, darauf ist er stolz. Torsten verteilt Essenspakete an Obdachlose. Spannend? Ja: Menschlich spannend. Deshalb ist ihm ein Dokumentarfilmteam auf den Fersen. Er wird gefilmt bei seinen Hilfsaktionen, er redet über seine Gedanken zum Heldentum, seine Mutter darf über ihn erzählen. Die übliche Herangehensweise des Dokumentarfilms eben. Aber leider nicht spannend genug für den Produzenten. Wo ist die Action, wo ist der Sex? Kann man die ganze Chose nicht ein bisschen pimpen?

Wild fährt zweigleisig. Er porträtiert einen Helden des Alltags, der Vorbild sein will, ohne im Rampenlicht zu stehen, der im Kleinen helfen will, wo er kann. Und er porträtiert das Porträtieren dieses Losers, der einen Weg gefunden hat, sein Losertum zu überwinden. Weil „Superheld“, so wie Torsten es versteht, etwas fundamental anderes ist als „Superheld“, wie der Begriff in der Öffentlichkeit verstanden wird. Oder verstanden werden soll. Oder verstanden werden will.

Daniel Wilds Strategie: Er unterscheidet nicht mehr zwischen „objektiven“ Bildern seines Films und den subjektiven Bildern des Films im Film. Weil es eigentlich auch keine Unterscheidung mehr gibt – wenn alle ein Handy haben, ist die Welt Film, auch, wenn Lux von einem Hund angefallen und in demütigendster Haltung aufgenommen wird. Und andererseits: Wenn einer was tut, was keiner bemerkt – hat er es dann getan?

Vor allem in der ersten Hälfte gerät Torsten/Lux immer wieder in wunderbare situationskomische Momente, die Daniel Wild ganz selbstverständlich erzählt – ist ja, so die Fiktion, das wirkliche Leben. Wobei mehr und mehr dieses normale Leben nicht mehr von Torsten, sondern von außen gesteuert wird: Erst wer bekannt ist, kann etwas verändern, und mit Social Media ist das wohl kein Problem mehr. Das allerdings muss natürlich geplant, gescriptet und inszeniert werden. Wo James Gunns Super seinen Real Life Hero zum Psychopathen machte und Kick-Ass zum wirklichen Superhelden-Blockbuster wurde, ist es hier eine bissige Mediensatire, in die Wild seinen Film hineinführt, in dem Torsten zum Spielball wird, weil das Normale eben nicht reicht in dieser Welt.

http://www.kino-zeit.de/filme/lux-krieger-des-lichts#

 

Tagesspiegel 29.10.2017:

Einzelschicksale dominieren die Hofer Filme, gesellschaftliche Verantwortung ist ein selteneres Thema, etwa im Langfilmdebüt von Daniel Wild, der cleveren Mediensatire „Lux – Krieger des Lichts“, ausgezeichnet mit dem Heinz-Badewitz-Preis für Nachwuchsregie. Torsten Kachel (Franz Rogowski) alias Lux ist ein argloser Gutmensch, der im selbstgebastelten Superheldenkostüm Lebensmittel an Obdachlose verteilt. Als ein Filmteam ihn vermarktet, gibt Kachel nach und nach unter dem Quotendruck seine Ideale auf. Dem Regisseur gelingt es, eine moralische Geschichte ohne Moralinsäure zu erzählen, stattdessen mit sanftem Witz.

http://www.tagesspiegel.de/kultur/51-hofer-filmtage-jetzt-helfe-ich-mir-selbst/20518918.html

 

Süddeutsche Zeitung 29.10.2017:

Der Gewinner des zum zweiten Mal vergebenen Heinz-Badewitz-Preises zum Beispiel, „Lux – Krieger des Lichts“, erzählt von dysfunktionaler Männlichkeit im Kostüm eines Superhelden. Ein junger Mann, gespielt von Franz Rogowski, setzt sich eine Maske auf, legt ein Cape an und marschiert durch die Straßen Berlins, um den Schwachen zu helfen und Gutes zu tun. Dabei gerät er aber in allerlei moralische Zwickmühlen, und mit ihm auch das ganze Konzept männlicher Ritterlichkeit. Der Debütfilm von Daniel Wild ist aufgrund dieser ständigen Selbstproblematisierungen eine recht sadomasochistische Angelegenheit.

http://www.sueddeutsche.de/kultur/hofer-filmtage-maenner-in-der-zwickmuehle-1.3729093

 

BR – Pressemitteilung zu LUX – Krieger des Lichts:

https://www.br.de/presse/inhalt/pressemitteilungen/heinz-badewitz-preis-lux-krieger-des-lichts-hofer-filmtage-100.html