palmendiebe

Publikumspreis beim Finale des Linzer Musenwettstreits 2010

„Wir sind wie Einsiedlerkrebse, beständig auf der Suche nach einer Hülle, einem Schild, nach etwas, das groß genug ist, unser klaffendes, nacktes Ich hinter einer dicken Schutzschicht zu verbergen …“

Und diese Hülle, dieser Schild, sind Eigenarten, die die vier Protagonisten Froni, Lila, Tic und Hannes schützend vor sich herschieben. Denn sie haben eine scheiß Angst davor, erneut verletzt zu werden. Und so träumt jeder von ihnen insgeheim davon, einfach abzuhauen und irgendwo ganz neu zu beginnen. Sie wollen das alte Leben hinter sich lassen und damit die Vergangenheit, die unnachgiebig in ihre Gegenwart schwappt. Nur fehlt immer wieder der Mut, den entscheidenden Schritt zu tun.

Während Froni kaum Nähe zulassen kann und sich immer mehr zurückzieht, sucht Lila in unzähligen One-Night-Stands nach halt. Ihr Nachbar, der arbeitslose Hannes, sorgt sich wiederum um die Zukunft seines recht unscheinbaren Sohnes Otto und hat insgeheim Lila als Mutter für den Kleinen auserkoren. Und dann taucht plötzlich auch noch Fronis alter Schulfreund Tic auf. Nachdem er zehn Jahre spurlos verschwunden war, tut er so als wäre er nie weg gewesen und quartiert sich in der WG der beiden Frauen ein. Als Hannes dann auch noch aus seiner Wohnung fliegt und mit Otto ebenfalls einzieht, prallen Welten aufeinander.

Daniel Wild | Kaiserverlag Wien

 

Silke Dörner, Dramaturgin des Theater Phönix in Linz:

Kindesmissbrauch im Theater zu thematisieren, ist eine schwierige Aufgabe. Zu schnell kann es pathetisch, moralisierend oder auch anklagend werden. Daniel Wild entgeht dieser Falle, indem er von vornherein den Focus weniger auf die in der Vergangenheit liegende Straftat lenkt als vielmehr auf die Folgen des Missbrauchs für die Opfer, die bis in die Gegenwart und – betrachtet man den Ausgang des Stückes –, auch bis weit in die Zukunft hineinreichen. Dabei schafft er es immer wieder, der Schwere und Tragik des Themas leichte und grotesk-komische Dialoge und Spielsituationen entgegenzusetzen. Darin liegt eine besondere Qualität des Stückes.

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