pacman city blues

eine Farce in 5 Folgen, einer Rückblende, einem Song und einer Zugabe – Gewinnerstück beim ThOP NDW 2009

„Wir brauchen wieder Nazis, Phoe.“ WG Küche, heute, irgendwo in einer Großstadt. Abend. Während Phoe versucht, den Hamlet für ein Vorsprechen einzustudieren, sucht Joshua nach der einen großen Idee für ein Jahrhundertwerk der Literatur. Und Eckehard? Eckehard hat beschlossen, als Superheld die Stadt vom Bösen zu befreien und strickt fleißig sein Kostüm. Während die drei sich beim Abendessen pseudointellektuellen Sinnfragen hingeben, klingelt ihr Nachbar Said und möchte sich ein extra scharfes Messer und den Toaster leihen. Nicht zu vergessen das Stück Seife. Was hat der komische Kauz damit vor? Die Spekulationen beginnen und fördern seelische Abgründe zutage. Es wird Tacheles geredet. Eckehard verlässt wütend die WG und stürzt kurz darauf in den Tod. Hat Said ihn umgebracht?

pacman city blues zeigt uns eine Generation selbstverliebter Egomanen, die in einem Sumpf aus Banalität und Beliebigkeit zu versanden droht, weil sie nichts mehr hat, wofür es sich zu kämpfen lohnt; je größer die Freiheit, desto verzweifelter die Suche nach Sinn und Verortung in dieser Welt … Quatsch, das einzige was man zum Glücklichsein braucht, ist Fame und Kohle.

Daniel Wild | Kaiserverlag Wien

Kritiken:

Jury-Laudatio ThOP NDW 2009:

Ausgezeichnet mit dem Preis des Nachwuchsdramatikerwettbewerbs 2009 des Theaters im OP wird der Berliner Autor Daniel Wild für sein Stück „pacman city blues“. „pacman city blues“ nimmt ein, durch Beobachtungskraft und Genauigkeitsdichte in der Beschreibung eines studentischen Milieus. Es besticht durch sein differentes Figurenensemble, behände Dialogführung, verblüffende Volten und eine bis zum Schluss spannende Geschichte

Österreichische Nachrichten zur Uraufführung in der Linzer Tabakfabrik:

Ein Superheld ohne Superkräfte, ein Dichter ohne Idee, eine Schauspielerin ohne Engagement – die Wohngemeinschaft in Daniel Wilds Groteske „Pacman City Blues“ ist nicht gerade erfolgreich. Eckehard zum Beispiel ist jede Nacht unterwegs, um als Superheld das Unrecht in der Stadt zu verhindern. Ebenso regelmäßig scheitert er an seiner eigenen Tolpatschigkeit, da nützt auch das rosa Strick-Kostüm nichts. Erst als der mafiöse Nachbar in der WG auftaucht und der Superheld mysteriös stirbt, können die Protagonisten aus ihrer Lethargie aussteigen.
Daniel Wild wirft mit seiner tempo- und wendungsreichen Groteske, die am Mittwoch bei den Musenspielen in der Linzer Tabakfabrik uraufgeführt wurde, die Fragen einer ganzen Generation auf: Braucht es heute noch Helden? Was hat im Zeitalter von Handy und Facebook noch Bestand? Mit pointierten, schlagfertigen Dialogen lässt Wild keine Zeit für Langeweile.

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